Die Evolution von Dolby-Surround-Sound
Ein Kinobesuch ist heute spannender und fesselnder denn je; und das liegt zum Großteil an den ständigen Bemühungen zur Optimierung des Filmtons, die Dolby Laboratories in den frühen 70-er Jahren begann. Hier ist ein kurzer Überblick über die Geschichte des Filmtons in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts.
Lichtton
Der photografische oder "Licht"-Ton war das erste Verfahren zur Tonaufzeichnung auf Film. In analoger oder digitaler Form ist dies bis heute der Standard geblieben.
Der Lichtton befindet sich auf dem transparenten Bereich neben dem Bild. Wenn der Film vorgeführt wird, fällt Licht von der Tonlampe oder der LED des Tongeräts im Projektor durch die Tonspur. Änderungen der Breite der Tonspur verändern den Lichteinfall auf die Lichttonzelle, die das Licht in ein gleichermaßen sich änderndes elektrisches Signal wandelt. Dieses Signal wird verstärkt und von den Lautsprechern im Saal schließlich wieder hörbar gemacht.
Lichtton ist wirtschaftlich, einfach und robust, was seine weite Verbreitung begünstigt hat. Da der Lichtton gleichzeitig mit dem Bild auf photografischem Weg auf den Film kopiert wird, ist er ebenso lang spielbar, wie der Film selbst.
Magnetton und Mehrkanalton
Anfang der 50er Jahre, als die Filmindustrie die Besucher von ihren faszinierenden, neuen Fernsehgeräten weglocken musste, wurden Magnetspuren für die Aufzeichnung des Tons auf den Filmkopien eingeführt. Nach der Kopierung des Bildes wurden schmale Streifen mit Eisenoxid (ähnlich der Beschichtung auf Tonband) auf die Kinokopie aufgebracht.
Der Ton musste dann in normaler Geschwindigkeit aufgespielt werden. Im Kino wurden die Magnettonkopien über Projektoren mit Magnettonköpfen wiedergegeben, ähnlich wie bei einem Tonbandgerät.
Magnetton war ein bedeutender Schritt vorwärts und hatte unter optimalen Bedingungen einen weitaus besseren Klang als konventioneller Lichtton. Auch Mehrkanalton, damals "Stereo-Ton" genannt, konnte erstmals einem breiten Publikum vorgeführt werden. Die Stimme eines Schauspielers, der im Bild links, in der Mitte oder rechts erscheint, konnte entsprechend über Lautsprecher links, in der Mitte oder rechts hinter den damals ebenfalls neu eingeführten Breitwand-Leinwänden wiedergegeben werden. Auch Musik erreichte eine neue realistische Dimension und Toneffekte konnten im Kino von hinten oder den Seiten kommen.
Wegen der Kosten, der kurzen Lebensdauer und des hohen Wartungsaufwands verschwand der Magnetton in den 70er Jahren wieder. Und die Kinobesucher hörten meistens wieder Monokopien mit schlechter Tonqualität und nur gelegentlich eine Magnettonkopie mit Mehrkanalton. Ja sogar HiFi-Stereoanlagen dieser Zeit boten eine bessere Tonqualität als die meisten Filme.
Und dann - Dolby
Dank neuer Technologien und einer Trendwende in der Filmindustrie kamen Ende der 80er Jahre wieder fast alle großen Filme mit Mehrkanal-Stereoton in die Kinos.
Der technologische Durchbruch war die Entwicklung eines äußert praxistauglichen 35mm-Lichtton-Formats durch Dolby Laboratories, genannt Dolby® Stereo. Anstelle des herkömmlichen Mono-Lichttons wurden zwei Tonspuren auf den Film kopiert, in die nicht nur die Informationen für links und rechts des Stereotons aufgenommen werden konnten, sondern auch ein dritter Kanal für die Mitte und sogar ein vierter Surroundkanal für Atmosphären und spezielle Toneffekte.
Das Format ermöglichte nicht nur Mehrkanalton mit Lichtton, sondern auch eine höhere Tonqualität. Zur Verbesserung des Tons wurden sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Wiedergabe verschiedene Techniken eingesetzt. An erster Stelle sei die Dolby-Rauschverminderung genannt, die das Rauschen und Knacken der Lichttonspur reduziert, und die Lautsprecher-Entzerrung zum Abgleich der Tonsysteme in den Kinos entsprechend einer standardisierten Referenzkurve.
Das Ergebnis war Mehrkanalton in gleicher Qualität wie von 35mm-Vierkanalton-Magnetkopien (die bald darauf verschwanden) bei gleichzeitig konstanterer Tonqualität, höherer Zuverlässigkeit und erheblich geringeren Kosten.
Dolby SR
1986 führte Dolby Laboratories ein neues professionelles Aufnahmeverfahren ein, Dolby SR (Spectral Recording). Beim analogen Lichtton auf 35mm-Film erreicht Dolby SR mehr als die doppelte Rauschverminderung sowie einen besseren Frequenzgang und geringere Verzerrungen als sein Vorgänger, Dolby A. Wie Dolby A ist Dolby SR ein spiegelbildlicher Codier- und Decodierprozess; die Codierung findet im Mischstudio statt, die Decodierung im Kino.
Der Dolby SR-Lichtton verfügt über vier Kanäle; die Lautsprecher links, Mitte und rechts befinden sich hinter der Leinwand, der Surroundkanal wird für Atmosphären und Spezialeffekte verwendet. Aus Platzgründen ist es nicht möglich, die vier Kanäle einzeln auf den 35mm-Film zu kopieren; sie werden daher mit der Dolby-Matrix zusammengefasst als zwei Lichttonspuren kopiert; die beiden Kanäle nennt man Links total (Lt) und Rechts total (Rt). Der Decoder im Kino (Dolby-Kinoprozessor) stellt die ursprünglichen vier Kanäle mittels aufwändiger Matrix-Decodiertechnologie wieder her und leitet den Ton zu den entsprechenden Lautsprechern.
Dolby Digital
Dolby Digital wurde 1992 eingeführt und basiert auf Dolbys leistungsfähiger Audio-Codiertechnologie, mit der 5.1 Kanäle Digitalton in hoher Qualität auf den Platz zwischen den Perforationslöchern eines 35mm-Films kopiert werden können, und zwar zusätzlich zum analogen Lichtton.
Mit Dolby Digital werden gegenüber dem Analogton nicht nur laute, dramatische Effekte (wie Zusammenstöße, Explosionen und überfliegende Flugzeuge) verbessert, sondern in subtilerer Weise auch
• die generelle Ortung des Tons
• die Sprachverständlichkeit
• Atmosphären und leise Effekte
• die Musikwiedergabe
Dolby Digital verfügt über fünf breitbandige Kanäle (Links, Mitte, Rechts, Links-Surround und Rechts-Surround) und einen separaten Tiefbass-Kanal (LFE-Low Frequency Effects) für die Wiedergabe über einen Subwoofer. Wegen des beschränkten Frequenzgangs wird dieser Kanal als “.1” bezeichnet, wenn man vom Dolby Digital 5.1-Kanalformat spricht.
Dolby Digital Surround EX
Dieses Format wurde 1998 gemeinsam von Dolby Laboratories und Lucasfilm THX entwickelt und ist im Besitz beider Firmen. Es eröffnet dem Tonmeister eine noch größere Flexibilität bei der Gestaltung von Filmmischungen. Dolby Digital Surround EX™ ist eine Erweiterung von Dolby Digital und verfügt über einen dritten Surroundkanal. Damit wird die Positionierung von Surroundeffekten (wie Vorne-Hinten-Panning) verbessert, und Atmosphären werden gleichmäßiger im gesamten Kino wiedergegeben.
Für dieses Format werden dieselben digitalen Datenblocks zwischen den Perforationslöchern wie beim Dolby Digital 5.1-Kanalformat verwendet, und es ist dazu voll kompatibel. Die Lichttonüberspielung und die Produktionsprozesse im Kopierwerk bleiben unverändert, hier entstehen keine zusätzlichen Kosten. Kinos, die einen Dolby Digital Surround EX-Decoder installiert haben, können die drei Kanäle wiedergeben und bieten so ihrem Publikum zusätzlichen Realismus und noch mehr Hörgenuss.
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